Marineschiffbau in der DDR


U-Jäger

Landungsboote

Kleine Kampfboote



Kleinschnellboote KS 131 und große U-Jäger Parchim-Klasse


Schon früh planten die Sowjets die Bildung Nationaler Streitkräfte in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone Deutschlands). Die im Rat der Interalliierten Mächte beschlossene vollständige Demontage und Zerstörung aller militärischen Infrastrukturen, Industrien, wehrwissenschaftlicher Kapazitäten, wurde von den Sowjets mehr zum Schein als tatsächlich durchgeführt. Schon wenige Monate nach Kriegsende hatten die Sowjets mindestens 15 Hochtechnologiebetriebe der deutschen Rüstungsindustrie, darunter die Flugzeugentwicklung (Junkers, Dessau) und die Raketenentwicklung (V2) reaktiviert, entsprechende Konstruktionsabteilungen eingerichtet, die Produktion wieder aufgenommen. Die Sowjets planten 30 ostdeutsche Divisionen (300 000 Mann) aufzustellen, in der SBZ (DDR) wieder Flugzeuge, Panzer und U-Boote zu bauen.

Die Militarisierung der SBZ (DDR) schritt schnell voran. Schon Anfang der 50er Jahre existierten in der Kasernierten Volkspolizei (KV) zwei komplette Armeekorps, die Kader einer Flieger- und einer Flugabwehrdivsion (KVP Luft), sowie einer Küstendivision.(KVP See).

Die BRD hatte gerade einmal den Bundesgrenzschutz mit einigen alten USA-Panzerspähwagen ausgerüstet. Da hatte die DDR schon eine Panzertruppe mit 500 Kampfpanzer. Nicht weniger als die Wehrmacht im Jahre 1935.

Die SBZ (DDR) wurde durch sowjetische Demontagen, laufende Reparationsleistungen, Verschleppung von wissenschaftlich-technischen Experten in die UdSSR, Enteignungen von Privatbetrieben, Übersiedlung von Führungs- und Fachkräften in die BRD (bis 1961) ausgepowert. So war die DDR war nicht in der Lage die von den Sowjets geforderten 30 Truppendivisionen aufzustellen und eine bedeutende nationale Verteidigungsindustrie aufzubauen. Es reichte nur für 7 (6) Divisionen Landstreitkräfte, 1 Fliegerdivision und 1 Flugabwehrdivision der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung, 1 Küstenschutzdivision der Seestreitkräfte (später Volksmarine). Mit der Reserve der Landstreitkräfte hätte man noch 3 Divisionen aufstellen können. Die Territorialverteidigung bestand aus Kasernierter Polizei (VP Bereitschaften) und den Betriebskampfgruppen (DDR-Miliz).

Die DDR-Luftfahrtindustrie wurde Ende der 50er Jahre liquidiert. Panzer und U-Boote wurden in der DDR nie gebaut.


Im Jahre 1945 bestanden in der SBZ einige kleinere Schiffswerften, sowie Yacht- und Bootswerften, die über Erfahrungen in der Entwicklung und dem Bau von kleineren Marinefahrzeugen verfügten.


Die DDR hätte an die deutsche Marineschifftechnologie bis 1945 anschließen können.


Entwicklungs- und produktionstechnisch waren seit Anfang der 50er Jahre möglich:

  • Flottentorpedoboote 39 und 40 (bis 1 300 t)

  • Mehrzweckboote (bis 500 t)

  • Leichte S-Boote (LS)

  • M-Boote (bis 600 t)

  • U-Jäger

  • R-Boote

  • Kriegsfischkutter

  • Küsten-U-Boote von weniger als 500 t (bis Standard E-Klasse XXIII)

  • Kleinkampfmittel (Klein-U-Boote, Kleinschnellboote)

  • kleine und mittlere Landungsboote (MFP und größere)

  • kleine Artillerieträger (MFP, AT, FT)

    sowie

  • kleinere Hilfsschiffe (Troßschiffe)

  • kleine Wachboote (Boote der Grenzbrigade Küste)

  • Dienstboote (Polizei, Zollverwaltung)

  • Fischereifahrzeuge

  • kleine Frachter

  • Schulschiffe, -boote

  • Yachten, kleine Sportboote


Die DDR-Schiff- und Bootsbauer hätten wohl den technologischen Anschluß an die Entwicklung der Flottentorpedoboote 40 und der Küsten-U-Boote E (Klasse XXIII) der KM schaffen können. Beim großen S-Boot bestand das Hauptproblem aber beim Antrieb. Die Herstellung der großen Dieselmotoren bis 3 000 WPS hätten einen zu großen produktionstechnischen Aufwand erfordert. So beschränkte sich der S-Bau auf Leichte S-Boote (Projekt Hydra) und Kleinschnellboote. Erst mit Boot 151 gelang der DDR der Wiederanschluß an den deutschen S-Bau.

Die DDR hat die meisten Schiffe und Boote aus Produktion der VE Betriebe Schiff- und Bootsbau beschafft. Waffen, anfänglich viele Ausrüstungen, kamen aus der UdSSR. Nur die komplexeren Einheiten der Seestreitkräfte (Volksmarine) (kleine Fregatten, große Torpedo- und Raketen-Schnellboote) wurden in der UdSSR gekauft.

Der Wiederanschluß an den deutschen S-Bootbau bis 1945 gelang der DDR bis in die 80er Jahre nur bedingt, nämlich mit Leichten Schnellbooten (Projekt Hydra) und Kleinschnellbooten (KS) 131.

M-Boote entstanden nach von den Sowjets zurückgegebenen alten Plänen als Minenlege- und Räumschiffe (Habicht).

U-Jäger der Hai-Klasse



Mit den U-Jägern der Hai-Klasse entstanden in den 60er Jaheren eigenständige moderne kleine DDR-Marineschiffe. Die Hai-Klasse war mit UAW-Raketenwerfern, Wabos, zwei gesteuerten 30 mm Flak (Doppellafetten) bewaffnet. Die Weiterentwicklung des U-Jägers führte zur Parchim-Klasse, Boote mit 800 t Konstruktionsverdrängung, die sogar das Interesse der Sowjets fanden. Bei der Entwicklung gab es dann auch eine sowjetische Projektbegleitung. Die Boote waren mit 57 mm Flak (Doppellafette), 30 mm Flak, Fliegerabwehrsystem Strela, TR, UAW-Raketenwerfer, relativ stark bewaffnet. Die sowjetische Serie hatte eine verbesserte Funkmeß-Ausrüstung.

Aus der Parchim-Klasse hätte sich ein großes Kampfboot mit FK gegen See- und Luftziele entwickeln lassen. Eine Vertikalstartanlage im Vorschiffaufbau möglich gewesen. In jedem Fall hatte die Parchim-Klasse Potential zur logischen Weiterentwicklung. Nicht minder galt dies für die DDR-Landungsboote. Zwar wurden keine MFP und daraus abgeleitete Waffenträger (AT, FT) gebaut. Aber die erste und zweite Generation der DDR-Landungsboote führten zur Entwicklung der großen Boote der Forsch-Klasse. Diese waren auch für den VP-Dienst vorgesehen und relativ stark bewaffnet (vier 57 mm Flak in Doppellafetten). Aus der Frosch-Klasse entstanden die Gefechtsversorger der VM.

Mit der neuen Generation der S-Boote 151 (Balkom) fand der DDR-Schiffbau den Anschluß an westliche Technologien kleiner Kampfboote. Die Boote sollten zum Einheitstyp der WP-Ostseeflotten (DDR, VR Polen, UdSSR) werden. Sie bildeten die Abschlußentwicklung im DDR-Marineschiffbau.

Die S-Boote 151 bildeten die Abschlußentwicklung im DDR-Marineschiffbau


Allerdings mußte die DDR-Industrie einen großen Teil der Ausrüstung (FK-Startanlage usw.) selber entwickeln und produzieren, weil die chronisch schwächelnde UdSSR keine Möglichkeiten mehr hatte.


Die Sowjets waren nie daran interessiert, die DDR als Konkurrenten im Marineschiffbau aufzubauen. Folglich wurde der DDR-Marineschiffbau von der UdSSR an der kurzen Leine gehalten. Die Abhängigkeit von sowjetischen Marinewaffensystemen, funkmeßtechnischen Ausrüstungen usw. wirkte sich negativ aus.


Am Ende war die DDR-Flotte eine modern ausgerüstete Küstenflotte. Die großen U-Jäger, die großen Landungsboote und Gefechtsversorger, die S-Boote 151, hatten einen hohen schiffbautechnischen Standard. Aber die Spezialboottechnologien (TF-Boot, Luftkissenfahrzeug, Klein-U-Boot, Ekranoplan) konnten sich nicht durchsetzen. Auch weil die Sowjets diese nicht unterstützten, lieber selbst realisierten.


Trotz schwieriger volkswirtschaftlicher und politischer Bedingungen, hat der DDR-Schiff- und Bootsbau gute Leistungen gebracht.

Die kleinen DDR-Dienstboote hatten einen hohen Stand und wurden in größerer Zahl exportiert.





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